Donnerstag, 2. Februar 2012

Digitalradios - Testauswertung


Testbericht von Simon Dach
Nachdem sich der erste „Staub“ seit dem Sendestart von Radio Horeb mit Digitalradio etwas gelegt hat, zeigt sich zweierlei:

1. die Freude an der neuen Empfangsmöglichkeit für unseren Sender hat sich für diejenigen, die nun wirklich problemlos, leicht und gut diesen Weg nutzen können, nicht verringert: DAB+ ist wirklich ein großer Vorteil für diesen Hörerkreis. Ich beziehe hier auch die Nutzer von Digitalradio im Auto ein, obwohl ihre Situation teilweise auch in die zweite Gruppe hineinreicht:
2. gibt es nämlich einen zweifellos keineswegs kleinen Kreis von Digitalradio-Hörern, der diesen Empfangsweg zwar nutzen kann, aber nur eingeschränkt. Die Einschränkung besteht darin, dass die mobile und auch stationäre (indoor-)Nutzung der digitalen Sender stark abhängig ist vom jeweiligen Standort. Mit „Standort“ ist hier nicht einmal in erster Linie die Lage auf der Senderkarte mit guter oder geringerer Abdeckung des digitalen Signals gemeint; „Standort“ kann im DAB+-Randgebiet um einen Sender herum auch den konkreten Standplatz des digitalen Radiogeräts in den Wohnungen bedeuten. 5 cm Veränderung dieses Standplatzes in horizontaler oder vertikaler Richtung kann dort bereits die Entscheidung für die Frage bedeuten, ob Empfang gewährleistet ist oder nicht: ja oder nein - oder auch: manchmal ja, manchmal nein, je nach Luftdruck-Verhältnissen, die offensichtlich für die Leitfähigkeit von digitalen Signalen bedeutsam sein können.
Von der 3. Gruppe der potentiellen Hörerschaft, die Digitalradio gerne empfangen würde, es aber derzeit noch nicht kann, weil die dafür nötige Ausbaustufe des Sendernetzes noch nicht erreicht ist, soll hier jetzt nicht die Rede sein – denn auch diese Gruppe kann sich in der kommenden Zeit in die Gruppe 1 oder 2 hinein verlagern …
Eine bedeutsame Veränderung gegenüber den früheren Zeiten der DAB-Verweigerung in deutschen Landen ist die Tatsache, dass mit dem ersten Sendestart von DAB+ auch eine ständig wachsende Zahl von digitalen Empfangsgeräten zur Verfügung steht, die von sich vom Preis und den angebotenen Funktionen her inzwischen bereits durchaus vielfältig präsentiert.

Und von Bedienbarkeit und Funktionen soll in diesem Bericht die Rede sein – konkret bezogen auf die Hörerschaft von Radio Horeb, was eine gewisse Beschränkung der Betrachtungsweise und Testbewertung erlaubt, da diese Hörer nicht alles brauchen, was die neue digitale Technik „kann“ und zu bieten hat.
Fußend auf den für diese Hörerschaft getesteten Geräten1-7) möchten die folgenden Hinweise also eine Hilfestellung für die Wahl des richtigen Digitalradio-Geräts in dieser Nutzer-“Liga“ sein: wer diese Wahl eines zielgerichteten Kaufs hat, sollte die Möglichkeit auch nutzen, das für das eigene Anwendungsprofil optimalste Gerät herausfinden und erwerben zu können.

A. Die Geräte mit dem berühmten „Radio-Horeb-Knopf“ bezeichnen dabei ein erstes  An-wendungsprofil: sie sind gedacht für Hörer, die keinerlei Risiko eingehen wollen, mit technischen Bedienproblemen konfrontiert zu werden, auch -und gerade- in Fällen von Fehlbedienung oder anderen problembehafteten Umständen. „Neu einschalten“ - und schon fertig: Radio Horeb ist wieder online! - das ist hier die maßgebliche Devise …
Auch an allen anderen Geräten gibt es Senderspeichertasten, bei denen man also z.B. die Speichertaste (1) mit Radio Horeb belegen kann. Einmal gespeicherte Sender bleiben auch bei Stromausfall erhalten. Falls aber wegen eines Problems einmal der Ausgangszustand des Geräts wieder hergestellt werden muß (sog. „Reset“), dann haben nur die Modelle mit dem „Radio-Horeb-Knopf“ den Sender fest eingestellt und ohne Scanvorgang im Zugriff.

Bekanntlich gibt es von den Radio-Horeb-Geräten 2 Modelle: das „kleine“ (DAB+ 100)1) ist von der Empfangsstärke eher nur geeignet für Gebiete im Umkreis von 20 km rund um einen Sendemast,*) das „große“ (DAB+ 500)7) hat Empfangseigenschaften, die sich mit anderen Geräten preislich knapp oberhalb der 100,- €-Marke vergleichen lassen. (*s. aber http://www.horeb.org/index.php?id=1174#c4146 )
Ich möchte deshalb im folgenden diese Empfangseigenschaften unberücksichtigt lassen, da sie in den beiden Preisklassen »um 50,-€ / um 100,-€« jeweils ziemlich identisch erscheinen.

B. Ein nächstes Unterscheidungskriterium unter den Geräten ist ihre mobile Verwendbarkeit.  
Wer mit seinem Digitalradio auch einmal im Garten auf dem Liegestuhl Empfang haben möchte, wird nicht ein Kabel verlegen, sondern einen Batteriebetrieb nutzen wollen. Hier gibt es Geräte, die über diese Option nicht verfügen(6,7), oder Unterschiede in der Praxis des Betriebs ohne Netzanschluß.
Die kleineren Geräte haben ein Batteriefach für 4-6x AA-1,5-V-Zellen (idealerweise Akkus),
deren Leistung aber sehr schnell erschöpft ist. Hinzu kommt, dass das Einlegen der Batterien sehr „fummelig“ sein kann.
Ideal ist in dieser Hinsicht das (allerdings separat und nicht ganz billig zu erwerbende) Powerpack für das Pure One mini3): es hält sehr lange und kann durch Einstecken des Stromkabels im Gerät wieder aufgeladen werden. Im Sangean-Gerät5) finden im Bedarfsfall 4 große Batterie- oder Akkuzellen (UM-1) Platz, deren Leistungsreserven entsprechend größer sind.

C. Bedienfreundlichkeit: Ein wichtiges Kriterium für die Brauchbarkeit eines täglich zu allen Tages- und Nachtzeiten verwendeten Radiogeräts ist die leichte Handhabbarkeit seiner Einstellmöglichkeiten. Die wichtigsten hierbei sind zweifellos Lautstärkeregelung (+Stumm-schaltung, falls vorhanden6)) und Umschaltmöglichkeiten (z.B. auf UKW oder einen anderen Sender). Während die Umschaltung zwischen DAB und UKW auf allen Geräten mithilfe einer separaten Taste erfolgt, sind die Bedienkonzepte für Lautstärke und Senderauswahl sehr unter-schiedlich.
Für die Lautstärkeregelung gibt es im Prinzip zwei Alternativen: Tastenbedienung (+/-) und Drehknopf-Regelung. Der Sonderfall „seitliches Rändelrad“ beim DUAL 42) macht dabei deutlich, dass die Ideallösung Geschmacks- und Anwendungssache ist. Das kleine gerade genannte, leichte Gerät auf dem Nachttisch würde auf Tastendruck mit Wegrutschen (und Herunterfallen) reagieren, ein Drehrad wie bei den Großen hätte gar keinen Platz und wäre in kleinem Durchmesser höchst unpraktisch. So ist das seitliche Rädchen für ein Nachregeln der Lautstärke genau das Richtige; ebenfalls ist der kleine Aufsteller auf der Rückseite bei diesem Gerät ein wichtiges Detail für ein Radio am Bett!          – Ein Gegenbeispiel bietet das DUAL 124) mit seinen Tasten: sie liegen zwar in zentraler Anordnung nicht ungünstig; aber die schwarze Lackfarbe aller Tasten macht eine Unterscheidung und damit Bedienung ohne direkte Beleuchtung zum Glücksspiel.
Die griffigen Drehknöpfe der größeren Geräte6,7) sind sicherlich für ältere Personen die hilfreichste Lösung; insgesamt muß aber jeder künftige Besitzer eines Digitalradios hier seine persönlichen Bedürfnisse in die Waagschale der Bewertungen werfen.

D. Die Anzeige von Informationen auf den Geräten zur Senderwahl, Sendequalität, zu technischen Informationen etc. ist sehr nutzerabhängig und daher für die persönliche Favorisierung eines Geräts entweder entscheidend oder auch unerheblich. Ein Einstellhelfer z.B. weiß die Anzeige der digitalen Signalqualität zu schätzen, wenn er den optimalen Standort für ein Gerät herausfinden muß; für Nutzer eines Radios, das ständig im Blickfeld platziert ist, wird dagegen die Anzeige von Zusatzinformationen zum gesendeten Programm hilfreicher sein. Was UKW-Hörer als DLS-/Radiotext-Laufschrift längst kennen, muß beim Digitalradio erst noch in die Sendepraxis eingefügt werden, obwohl die technischen Voraussetzungen dafür längst vorhanden sind.
So wird künftig auch für Radio Horeb-Hörer auf einen Blick erkennbar sein, welche Sendung gerade „läuft“.
Für die Erkennbarkeit dieser Text-Informationen ist ein geeignetes Display wichtig; dessen Beleuchtung den jeweiligen Verhältnissen anpassen zu können, ist dabei nicht unerheblich.
Die Display-Beleuchtung ist beim RH-5007) sowie dem Albrecht-Radio6) in 3 Stufen einstellbar; die anderen hier beschriebenen Modelle haben eine solche Funktion nicht aufzuweisen. Dafür bietet das letztgenannte Modell eine inakzeptable Auflösung von Laufschrift, deren Informationen so kaum zu lesen sind.

E. „Externe“ Funktionen sowie besondere „Extras“ diverser Geräte sollen hier noch abschließend erwähnt werden, da sie für manche Nutzer ein entscheidendes Kaufargument sein können.

a.) Beispielsweise bietet das Albrecht-Radio6) einen Stereo-Ausgang zu einer externen Musikanlage mit gleichzeitiger Abschaltmöglichkeit der eingebauten Lautsprecher, die aber (im Gegensatz zur Nutzung des -übrigens bei allen Radios vorhandenen- Kopfhörer-Ausgangs) auch mitlaufen können.
Das „große“ Radio-Horeb-Gerät 500 besitzt ebenfalls diesen Ausgang, aber ohne die erwähnte Abschaltmöglichkeit. Dafür bietet es einen „Eingang“, über den das Signal eines angeschlossenen Geräts mit dem Radio wiedergegeben werden kann.

b.) Eine für die Praxis sehr sinnvolle Funktion bieten beide RH-Geräte1,7)  sowie das Albrecht-Radio6): mit der „Alarm“-Einstellung (bei 7) sind es sogar zwei) kann der automatische Einschaltzeitpunkt des Geräts festgelegt werden, um auf diese Weise eine bestimmte tägliche Sendung nicht zu verpassen. Das automatische Ausschalten (Sleep-Funktion) ist bei den großen Radios ebenfalls möglich. Ebenfalls in dieser Preisklasse gibt es die Möglichkeit, die Klangcharakteristik der Wiedergabe zu beeinflussen (Equalizer).

c.) Zwei der Radios5,6) haben jeweils ein Alleinstellungsmerkmal:
- Das Sangean-Gerät bietet eine Rückspul- und eine Aufnahmefunktion auf eine SD-Speicherkarte. Die Rückspulfunktion erlaubt es, im laufenden Betrieb eine Wiederholung z.B. einer gerade erfolgten Ansage (Tel.Nr. / Kontonummer o.ä.) zu veranlassen, die durch eine Zwischen-speicherung der Daten möglich ist. Gleichfalls kann eine gerade laufende Sendung kurzzeitig unterbrochen und etwas später wieder fortgesetzt werden.
- Das Albrecht-Radio6) wird mit einer Fernbedienung ausgeliefert, mit deren Hilfe das Gerät ein- und ausgeschaltet und sämtliche Bedienfunktionen durch Knopfdruck ausgelöst werden können.
Diese Option hat in Fällen problematischer Empfangsverhältnisse einen besonderen Nutzen: man kann das Radio auf einem für den Empfang günstigen Platz (z.B. auf einem Schrank) platzieren und seine Bedienung dennoch vom Sessel oder einem Platz in Sichtweite aus vornehmen.
Dies ist ein Vorteil, der für manche Radio-Horeb-Hörer den Empfang z.B. im Bett überhaupt erst möglich machen kann – und somit ein ganz entscheidendes Ausstattungsmerkmal !

Kommen wir zum Abschluß: Die „eierlegende Wollmilchsau“ gibt es bisher unter den Digitalradiogeräten wohl auch noch nicht. Aber die für die Praxis wichtigen Funktionen sind in den einzelnen Geräten doch so realisiert, dass je nach örtlicher Gegebenheit, persönlichen Vorgaben oder Notwendigkeiten das passende Radio durch sorgfältige Vergleiche gefunden werden kann.
Weder ist das günstigste Radio auch unter optimalen Empfangsbedingungen immer das richtige Gerät für einen älteren Menschen (man denke an Empfindlichkeit beim Herabfallen) – noch besitzt das teuerste Angebot manchmal jene Ausstattungsmerkmale, auf die es gerade ankäme!
An einer Bewertung der zuvor genannten Merkmale für die eigene Situation kommt man also nicht vorbei! - die Hilfe eines Einstellhelfers dabei kann ggf. von Vorteil sein.

Anhang:  Internetadressen für (Preis-)Informationen zu den angegeben Geräten:

1) DAB+ 100 - Preis ca. 50 €

7) DAB+ 500 - Preis ca. 123 €


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